Seitdem es Schule gibt, ist es schwer, Schülern das große Wort Ethik nahezubringen. Ein Wort, welches so weit, weit weg von ihrem heutigen Leben klingt, sogar aus dem Altgriechischen abgeleitet wurde, muss ja öde und langweilig erscheinen in den Ohren von modernen Teenagern. Stundenlang mit ihren Handys Tablets und Play Station beschäftigt, hätten die Teens der Oberschule am Airport Schönefeld nicht gedacht, dass genau ihre unentbehrlichen Smartphones ihnen zeigen würden, was dieses altgriechische Wort so viel mit ihren heutigen Leben zu tun hat. Eine kleine große Hilfe kam vom Theaterensemble Eukitea aus Berlin…. Man würde fast sagen: sie kamen, sie erzählten, wurden erhört…um ein berühmtes, römisches Sprichwort aufzugreifen. Tatsächlich, den drei jungen Schauspielern aus Neukölln gelang es, in die Ohren und Herzen von über 200 Schülern der Oberschule am Airport in Schönefeld zu gelangen…bis sie wirklich verstanden, was Ethik überhaupt ist, was Cybermobbing bedeutet und was man alles mit Handys anrichten kann.
Ludwig Drengk der Theatergruppe meint: „Seit genau 20 Jahren gibt es eine Zweigstelle vom Theater Eukitea in Berlin und schnell kristallisierte sich hier heraus, dass „Mobbing“ ein großes Thema an deutschen Grundschulen darstellt. Allerdings gab es immer wieder Anfragen von weiterführenden Schulen, ob nicht auch das Thema Cybermobbing behandelt werden könne, da es vermehrt zum schädlichen Einsatz von Handyfotos und Posts in sozialen Medien kam.“
Die junge Schauspielgruppe recherchierte intensiv, befragte viele Schüler zum Thema Cybermobbing und fand heraus, dass das Phänomen weit mehr verbreitet ist als gedacht. Drengk äußert sich hierzu: „Anhand eines mehrmonatigen Theaterworkshops wurden positive wie auch negative Erfahrungen der teilnehmenden 7. bis 10. Klässlern ausgetauscht. Und es wurde sofort deutlich: Zum einen ist das Internet ein wunderbares Werkzeug, dass Spaß machen kann. Zum anderen aber: Cybermobbing war keine Randerscheinung, sondern gehörte zum Lebensalltag der Workshopteilnehmern. Auch war den Schülern bewusst, dass die Folgen von ständigen Attacken im Netz zu erheblichen psychischen Schäden bis hin zu Suizid führen können. Doch was tun? Die jungen Menschen waren sich einig, dass besonders gleichaltrige Personen helfen könnten, indem sie Cybermobbing-Betroffene wieder aufnehmen in ihren Kreis und sie akzeptieren, so wie sie sind“. Und an dieser Stelle konnte die Theaterpädagogik eine brilliante Lösung liefern.
Wie konnte aber von der Theorie zum praktischen Erfolg kommen? Wie konnte dem Neuköllner Ensemble sowas gelingen? Ich habe mir oft die Frage gestellt, was der entscheidende Faktor gewesen sei. Die Antwort darauf lautet aus meiner Sicht: ihre Sprache, ihre junge Kommunikation. Die drei Eukitea-Schauspieler sprachen dieselbe Sprache der Schüler, der 12- und 14jährigen: so und nur so konnten sie die Schüler sofort erreichen. Ich muss an dieser Stelle ein wenig melancholisch an alte Zeiten zurückdenken, als ein Trainer in einer Schnupperstunde einen Satz aussprach, welches mich bis heute noch fasziniert: „du kannst auch Totti oder Maradona sein und die beste Schusstechnik der Welt besitzen…aber wenn dein Kumpel den Ball nicht kriegt, ist das alles umsonst“. Das war’s, die Art und Weise wie jemand was sagt und erklärt, das machte den Unterschied. Und genau das war während des Theaterstücks geschehen: der Ball erreichte die Teens, die den Ball fingen. Sie hatten alles verstanden. Die wussten jetzt, was Cybermobbing bedeutet, sie wussten was man alles Schreckliche mit ihren glitzernden Phones anrichten kann, sie wussten vor allem wie man sich fühlt, wenn aus einem spielerischen Scherz eine Tragödie entsteht, sogar fast ein Leben eines Teens wie sie selber beinahe zerstört.
Eine Tragödie, ja, schon wieder ein griechisches Wort wie Ethik… Aber jetzt klingt es klar und verständlich für alle. Mit einem Mikrophon, 3 Bänken und Stühlen und 2 Mützen gelang es den 3 Schauspielern die Grenzen der Medienkommunikation und derer Gefahren offen zu legen; die Schüler hatten sich leicht mit den drei Theaterfiguren identifiziert und das war‘s. Ethik, Sokrates und das Smartphone gingen ab jetzt friedlich Hand in Hand auf den Schulhof.